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05.10.2011 | Stadtdekanat
Pilger-Menü und Cassius-Teller
Wallfahrer bedürfen Stärkung in zweifacher Hinsicht
Pilgern gehört als feste Tradition zum christlichen Glauben, und spätestens seit Hape Kerkeling und seinem Bestseller „Ich bin dann mal weg“ ist pilgern auch wieder modern – nicht nur auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Aber nicht jede Pilgerreise muss in die Ferne führen: In diesen Tagen machen sich tausende Menschen auf den Weg an den Rhein, um in der Münster-Basilika der Heiligen Cassius und Florentius zu gedenken, den beiden Bonner Stadtpatrone.
Gemeinsam mit den frühen Pilgern ist modernen Wallfahrern vor allem eines: Wer pilgert, der sucht. Im Mittelalter war Pilgern immer auch ein Abenteuer mit ungewissem Ausgang, früher wie heute haben Pilgerfahrten vor allem ein Ziel: Einkehr und Heil für die Seele zu finden. Hat es zunächst lediglich einen Pilgerstab gebraucht und gute Sandalen, sind Gottvertrauen und offene Augen, die Neugier auf Unbekanntes und die Bereitschaft, Mühsal zu ertragen und der Willkür des Wetters zu trotzen, heute wie früher wichtige Voraussetzungen für diesen besonderen Weg.
Zu den ersten namentlich bekannten Pilgern – das Wort übrigens leitet sich von „pelegrinus“ ab, womit im (Kirchen-)Lateinischen ein Mensch bezeichnet wurde, der aus religiösen Gründen wie der Erfüllung eines Gelübdes oder der Hoffnung nach Vergebung einer Sünde in die Fremde zog – gehörte Kaiserin Helena. Auch sie, die im Bonner Münster besondere Verehrung erfährt, zog zu den Stätten im Heiligen Land, wollte diese mit eigenen Augen sehen und mit ihren Füßen den Boden betreten, auf dem Jesus gelebt und gewirkt hatte. Zurück in der Heimat wirkten die frommen und zugleich spannenden Berichte der ersten Pilger wie eine Werbebotschaft: Viele machten sich auf, ihren Spuren zu folgen. Pilgern wurde zu einer Massenbewegung, zu einem frommen Tourismus auf festgelegten Straßen, die im Laufe der Jahrhunderte ein Wegenetz durch ganz Europa bildeten. Kirchen wurden an diesem Weg gebaut und Herbergen – die Suche nach Einkehr hatte für mittelalterliche ebenso wie für moderne Pilger durchaus einen doppelten Wortsinn.
Zuallererst natürlich erhofften sich die christlichen Pilger auf ihrem Weg eine spirituelle Stärkung, doch waren die frommen Wanderer auch Anlass zu einer guten – und ausgesprochen willkommenen - Geschäftsidee. Nachweislich seit 691 werden die Reliquien der Heiligen Cassius und Florentius in Bonn verehrt und für die Pilger auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela gab es rund um eine erste kleine Kirche auch schon im achten Jahrhundert gastronomische Angebote.
An diese Tradition knüpft die Moderne an, in der Festdekade der Bonner Stadtpatrone vom 9. bis 18. Oktober halten viele Restaurants im Umkreis des Münsters besondere Angebote zur leiblichen Stärkung bereit – ob es sich nun um die „Pasta Cassius“ handelt oder die „Salsiccia Florentius“. Vielleicht nicht umsonst hat der bekannteste Pilgerpfad unserer Zeit, der Weg nach Santiago de Compostela, denn auch eine Muschel als Symbol.
Angebote zur leiblichen Stärkung
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