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11.10.2011 | Bonner Münster
„Unser Freund heißt Jesus Christ“
Vorschulkinder beim Pilgerweg im Bonner Münster
Staunend stehen sie vor den tonnenschweren Granitköpfen neben dem Münster, ganz
schnell aber zeigen die ersten Finger auf den römischen Soldatenhelm, den sie
vom Heiligen Martin kennen, und aufmerksam lassen die Mädchen und Jungen sich
erklären, an wen die Steinhäupter erinnern sollen – die aus dem oberägyptischen
Theben stammenden römischen Soldaten Cassius und Florentius, die beiden
Stadtpatrone Bonns, die für das Festhalten an ihrem Glauben den Märtyrertod
starben.
Gemeinsam mit ihren Erzieherinnen und Pastoralreferentin Brigitte Schmidt wollen
die 16 Vorschulkinder der Tagesstätte St. Quirin den Pilgerweg im Bonner Münster
gehen; dass jemand den eigenen Tod in Kauf nahm, um Gott treu zu bleiben,
scheint für die Mädchen und Jungen zunächst schwer fassbar. „Kann denn heute
auch noch so etwas passieren?“, will einer der Jungs mit großen Augen wissen.
Kinder altersgerecht mit dem christlichen Glauben, dem sakralen Raum und einem
wichtigen Teil der Stadtgeschichte in Berührung bringen – dieses Ziel hat man
sich im Bonner Stadtdekanat für die Festdekade in Gedenken an die Stadtpatrone
Cassius und Florentius gesetzt und hierzu ein eigenes Programm unter dem Motto
„Unser Freund heißt Jesus Christ“ vorbereitet. Und wie immer ist die Nachfrage
groß: Mehr als 20 Kindertagesstätten haben sich auch 2011 zum Pilgerweg
angemeldet.
Die ersten Schritte auf diesem Weg führen die Vorschulkinder aus St. Quirin zum
Hauptportal der Basilika und zum Weihwasserbecken. Einige müssen sich hochheben
lassen, um sich ein Kreuzzeichen auf die Stirn malen zu können, zur Bedeutung
der Taufe aber wissen alle etwas zu erzählen. Der Weg durch die Basilika führt
die junge Pilgergruppe vorbei an der Heiligen Helena und dem Standbild der
Gottesmutter in den Hochchor, wo Pastoralreferentin Brigitte Schmidt das goldene
Mosaikbild in der Apsis erläutern möchte. „Jesus sitzt auf einem Thron über
einer Weltkugel und einem Regenbogen“, beschreibt ein Mädchen. „Und er hat
Flip-Flops an“, entfährt es einem kleinen Jungen angesichts der ledernen
Sandalen an den Füßen Christus. „Unser Freund heißt Jesu Christ“, singen die
Mädchen und Jungen aus St. Quirin in der Apsis, „weil er immer bei uns ist“. „So
wie er auch Cassius und Florentius nicht verlassen hat“, erklärt Brigitte
Schmidt vor den Reliquienbüsten der beiden Stadtpatrone.
Aufmerksam und gespannt haben sich die Kinder vor den wertvollen, am Altar
aufgestellten Büsten versammelt, die nur einmal im Jahr, während der Festdekade,
der Öffentlichkeit gezeigt werden. Durch ein kleines „Fensterchen“ versuchen sie
einen Blick auf mögliche Knochenreste zu erhaschen. „Etwas ganz Kostbares“
verspricht Brigitte Schmidt den Kindern im „Keller“ der Basilika, der Krypta –
vor dem Reliquienschrein der beiden Stadtpatrone brennt eine Kerze, auf einer
Tafel steht geschrieben „Wer aber bis zum Ende standhaft bleibt, der wird
gerettet“. Treu bis zum Tod seien auch Cassius und Florentius Jesus Christus
gewesen, erklärt Brigitte Schmidt: „Sie wollten den Kaiser nicht wie ihren Gott
verehren und wurden deshalb getötet“. Die Kinder fragen nach, sie wollen es kaum
glauben. Vorsichtig klettern sie mehrere Treppenstufen hinunter in die geöffnete
Gruft.
Andächtig lauschen sie dem Gebet, das die Pastoralreferentin in der Krypta
spricht: „Der Heilige Cassius und der heilige Florentius haben dir, dem großen
Gott, die Ehre gegeben, auch als es für sie gefährlich wurde. Sie waren mutige
Christen. Wir bitten dich: Schenke auch uns die Kraft und den Mut heute als
Christen zu leben“. Beim Vaterunser beten die Kinder mit, mit einem
entschiedenen Amen bekräftigten sie ihre Freundschaft zu Gott.
Dass die Stadtpatrone Cassius und Florentius Schutzheilige sind, die dafür
sorgen und helfen, dass es den Menschen in Bonn gut geht, haben die Kinder am
Ende ihres Rundgangs durch die Basilika gelernt. Und auch ein rotes Pilgertuch
als Erinnerung an den Besuch lassen sie sich gern um den Hals oder als Kopftuch
binden – im mittelalterlichen Kreuzgang bilden sie ein fröhliches Gruppenbild,
für das auch erwachsene Pilger gern stehen bleiben.
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