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Grußwort
des Stadtdechanten und Münster-Pfarrers
Msgr. Wilfried Schumacher

In London, Washington und Madrid kann man mit einem Bus der
örtlichen Verkehrsunternehmen durch die Stadt fahren, auf denen steht in großen
Buchstaben geschrieben: „Es gibt keinen Gott“? Atheisten haben die Werbeflächen
gemietet. Da steigt mancher aus Überzeugung ein und legt Zeugnis von seinem
Unglauben ab. „Erfülltes Leben braucht keinen Gott“, lautet vielfach die Devise.
Wir aber lassen uns Gott nicht ausreden. „Gott ist immer größer“,
haben wir deshalb über das diesjährige Fest unserer Stadtpatrone Cassius und
Florentius geschrieben. Unsere Bilder, Vorstellungen oder Worte können die
unendliche Wirklichkeit Gottes in keiner Weise beschreiben oder ermessen. Sie
übersteigt alles.
„Gott ist immer größer“ – das ist auch das Zeugnis der beiden
römischen Märtyrer, über deren Gräber das Münster erbaut wurde. Größer auch als
das eigene Leben, das wir gerne als das Kostbarste bezeichnen, das wir haben.
Für den mittelalterlichen Menschen bedeutete der Besitz von
Gräbern heiliger Menschen einen ungeheuerlichen Reichtum: das Grab war die
Kontaktstelle zum Himmel, wo man den Heiligen zu sein glaubte. Ihm nahe zu sein,
hieß, ein Stück Himmel auf Erden zu haben, seiner Kraft, seiner Fürsprache
gewiss zu sein.
In unserem Münster war für die Menschen des Mittelalters also ein
„Stück Himmel auf Erden“. Die „villa basilica“, die sich rund um das Münster
entwickelte, war die Keimzelle Bonns. Als viele Jahrhunderte später aus den
Ruinen des zweiten Weltkriegs eine neue Demokratie in unserem Land entstand,
schrieben die Mütter und Väter des Bonner Grundgesetzes als seine ersten Worte:
„Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott...“
Der Glaube an Gott hat Tradition in unserer Stadt. Daran wollen
wir erinnern mit unserem Motto. Der Heilige Ignatius von Loyola, von dem dieses
Wort stammt, war ebenso überzeugt, wir können Gott in allem suchen und finden.
In jedem Menschenantlitz, im Dunkel und im Licht, in der Freude und in der Not
menschlichen Lebens, in der Erfahrung seiner Nähe und Ferne – überall können wir
ihn finden. Und doch wird er immer größer sein.
Auf diesen Weg laden wir Sie herzlich ein!
Msgr. Wilfried Schumacher
Stadtdechant
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